Die deutsche Magnetschwebe-Technologie (Maglev) hat einen historischen Durchbruch bei der kommerziellen Anwendung erzielt. Die Max-Bögl-Gruppe, ein deutsches Bauunternehmen, gab kürzlich bekannt, dass ihre Tochtergesellschaft TSB Betriebs von der Bundesnetzagentur (Eisenbahn-Bundesamt, EBA) eine Betriebserlaubnis für eine öffentlich genutzte Magnetschwebebahnstrecke erhalten hat. Dieser Meilenstein markiert einen entscheidenden Schritt hin zur kommerziellen Einführung ihres eigenentwickelten Transportsystems Bögl (TSB), das einen neuen Weg für die Modernisierung des städtischen Nahverkehrs in Europa ebnen könnte.
Während die Genehmigung den Betrieb von öffentlichen Magnetschwebebahnen abdeckt, betonte Max Bögl, dass die Kommerzialisierung der Technologie weiterhin separate Baugenehmigungen erfordert. Dennoch legt diese Entscheidung der Aufsichtsbehörden die Grundlage für die Weiterentwicklung verwandter Projekte. Derzeit prüfen mehrere deutsche Städte, darunter Nürnberg und Hamburg, sowie Regionen wie Böblingen und Calw in Baden-Württemberg das Potenzial für den Einsatz des TSB-Magnetschwebesystems. Eine vorgeschlagene 53 Kilometer lange Pilotstrecke zwischen Augsburg und München wurde als mögliche Testroute identifiziert, die letztendlich mehrere Orte verbinden und den Verkehrsdruck auf der Autobahn A8 verringern könnte.

Das TSB-Maglev-System zeichnet sich durch sein modulares Design und effiziente Baufähigkeiten aus. Die Gleisinfrastruktur besteht aus im Werk vorgefertigten Betonträgern, die Führungsschienen und Stromversorgungssysteme integrieren und einen schnellen, bausteinartigen Aufbau vor Ort ermöglichen. Dieser Ansatz verkürzt die Bauzeit erheblich. Als vollständig integrierte Lösung umfasst das System Planung, Fahrzeugherstellung, Montage vor Ort sowie Betriebsdienstleistungen. Es verwendet eine vollautomatische, fahrerlose Technologie, die die Betriebskosten im Vergleich zu herkömmlichen Schienensystemen um etwa 20 % senken kann, während es gleichzeitig nur geringe Geräuschentwicklung verursacht – Schlüsselkomponenten sind in Betongleisen eingebettet, die weniger als 20 Zentimeter dick sind, wodurch es sich besonders für städtische Umgebungen eignet.
Hinsichtlich Leistung und Anpassungsfähigkeit ist das TSB-System für eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h ausgelegt (bei einem Testlauf in Chengdu, China, wurden 181 km/h erreicht), eine Beschleunigung von 1 m/s² und Züge mit 2 bis 6 Wagen, wobei jeder Wagen bis zu 127 Passagiere befördern kann. Es eignet sich sowohl für den städtischen und suburbanen Personenverkehr als auch für den Kurz- bis Mittelstrecken-Güterverkehr. Im Gegensatz zu anderen Magnetschwebe-Technologien fokussiert sich das TSB-System auf mittlere bis niedrige Geschwindigkeiten und kurze Distanzen. Durch Kosten- und Gewichtskontrolle des Zuges ermöglicht es eine flexible Integration in bestehende Verkehrsinfrastrukturen und kann in erhöhter, auf Straßenniveau oder unterirdischer Umgebung betrieben werden.

Die Entwicklungsreise von Max Bögl im Bereich Magnetschwebebahn erstreckt sich über mehr als ein Jahrzehnt. Seit dem Start des Projekts im Jahr 2010 hat das Unternehmen die frühere Transrapid-Magnetschwebebahntechnologie speziell für den Einsatz im niedrigen Geschwindigkeitsbereich in städtischen Gebieten weiterentwickelt und optimiert. Das System absolvierte bereits über 125.000 Testfahrten auf einer Teststrecke in Sengenthal, Deutschland, und begann 2018 mit Demonstrationsbetrieb. Im Jahr 2021 präsentierte es automatisierte Transport- und Umschlagtechnologie für 40-Fuß-Container in Hamburg. Eine Demonstrationsstrecke, die in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen Chengdu Xinzhu Road & Bridge Machinery Co., Ltd. in Chengdu errichtet wurde, erreichte im April 2024 bei Tests eine Höchstgeschwindigkeit von 181 km/h.
Bemerkenswerterweise hat das TSB-System einen hohen Grad an Standardisierung erreicht, und Max Bögl erklärte, dass kommerzielle Projekte innerhalb von zwei Jahren in die Produktionsphase gehen könnten. Obwohl das frühere Transrapid-Projekt nach einem Testunfall in Lathen, Deutschland, im Jahr 2006 Rückschläge erlitt, hat die Erteilung der Betriebserlaubnis für TSB die Hoffnungen auf eine Entwicklung der Magnetschwebebahn in Europa wieder belebt. Mit seinem gezielten Fokus auf mittlere bis niedrige Geschwindigkeiten, den Vorteilen des modularen Aufbaus und der reifen Testerfahrung ist das System gut positioniert, um in den deutschen Markt einzudringen und internationale Möglichkeiten durch Partnerschaften in China und anderen Regionen zu erschließen, wodurch es weltweit eine effizientere und umweltfreundlichere Wahl für den städtischen Nahverkehr bietet.
