
Europas erste zertifizierte, vollskalige Hyperloop-Teststrecke ist nun bereit für die Betriebserprobung und markiert einen bedeutenden Meilenstein für nachhaltigen und ultrahochschnellen Transport. Die 24 Meter lange Strecke, entwickelt vom Hyperloop-Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM), absolvierte am 10. Juli 2023 ihren ersten erfolgreichen Testlauf unter Vakuumbedingungen mit einer Passagierkapsel.
Eine kürzlich von der Europäischen Kommission veröffentlichte Studie zeigt, dass die viel diskutierte Hyperloop-Technologie in Europa mittlerweile die rein konzeptionelle Phase verlassen hat und sich nun in einer ausgereiften Entwicklungsstufe befindet, die eine Testung auf Demonstrationsniveau ermöglicht. Als disruptive Technologie, die in die langfristige Verkehrspolitik der EU integriert ist, entwickelt sich der Hyperloop dank Kerneigenschaften wie einer Geschwindigkeit von über 500 km/h und geringen CO2-Emissionen zu einer neuen Option für die Verbindung großer europäischer Städte. Herausforderungen wie hohe Kosten, technische Engpässe und regulatorische Koordination bedeuten jedoch, dass eine breite Implementierung noch lange auf sich warten lassen wird.
Am 4. November 2025 versammelte das European Hyperloop Center die globale Hochgeschwindigkeits-Mobilitäts-Community in Barcelona. Start-ups, Unternehmen, Zulieferer und Investoren trafen beim Hyperloop Congress zusammen, um gemeinsam die Zukunft dieser Technologie zu erörtern.

Der Kernvorteil des Hyperloops liegt in seinem Potenzial, bestehende Transportsysteme zu revolutionieren. Laut der Studie könnte diese Transportart, die durch Vakuumröhren und Magnetlevitationstechnologie hohe Geschwindigkeiten erreicht, eine saubere Alternative zum Flugverkehr für Distanzen zwischen 500 und 1.750 Kilometern darstellen – insbesondere wenn sie mit dekarbonisierten Energiequellen betrieben wird, was erhebliche Vorteile bei der Kohlenstoffemission bietet. Zudem stimmen ihre geringe Wetterabhängigkeit, der reduzierte Flächenverbrauch (durch elevated tracks) und die geringe Geräuschbelastung gut mit den Zielen der EU hinsichtlich Dekarbonisierung, regionaler Synergien und industrieller Erneuerung überein. Sie könnte die wirtschaftliche Aktivität in transnationalen Stadtregionen beleben und sowohl dem täglichen Pendelverkehr als auch logistischen Operationen zugutekommen.
Trotzdem besteht weiterhin Verbesserungsbedarf hinsichtlich der technologischen Reife. Während Kerntechnologien wie Antriebssysteme, die größtenteils aus dem Luft- und Raumfahrtsektor stammen, relativ gut beherrscht sind, bestehen weiterhin Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung von Vakuumröhren über weite Entfernungen sowie bei der Gewährleistung der Sicherheit im Falle von Geräteausfällen. Kritischer ist jedoch die Abhängigkeit des Hyperloops von Rohstoffen wie Lithium und Seltenen Erden, was Europa in der Lieferkette anfällig machen könnte – ein strategisches Risiko, das die EU berücksichtigen muss. Insbesondere die Branchen für Schwerlasttransporte und Projektladungen laufen Gefahr, von dieser nächsten großen Revolution im europäischen Logistikwesen ausgeschlossen zu werden.
Kosten bleiben derzeit das größte Hindernis. Der Bericht schätzt die Baukosten für Hyperloop bei 20 bis 36 Millionen Euro pro Kilometer. Der Aufbau eines umfassenden Netzes in ganz Europa würde Investitionen in Höhe von Hunderten von Milliarden Euro erfordern. Selbst ein mittelfristiges Kernnetz, das acht Länder einschließlich der Benelux-Staaten, Frankreich und Deutschland umfasst – mit einer Gesamtlänge von 6.207 Kilometern –, würde eine Investition von 227 Milliarden Euro erfordern. Obwohl die Betriebskosten langfristig voraussichtlich niedriger sein werden als die herkömmlicher Eisenbahnen (aufgrund geringeren Verschleißes und geringerer Wartungsanforderungen bei der Magnetlevitation-Technologie) und die jährlichen Einnahmen bei einem Fahrpreis von 0,20 Euro pro Kilometer 61 Milliarden Euro erreichen könnten, sorgt die lange Amortisationsdauer weiterhin für Zurückhaltung bei politischen Entscheidungsträgern.

Um die Technologie voranzutreiben, hat die EU Mechanismen wie das „europäische Eisenbahn-Gemeinschaftsunternehmen“ und „Hyper4Rail“ genutzt, um Standardisierung und Interoperabilität zu fördern und eine vorzeitige Fragmentierung unterschiedlicher unternehmerischer technologischer Ansätze zu verhindern. Die Studie empfiehlt, öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) einzuführen, um Risiken zu teilen und privates Kapital anzuziehen, und betont dabei, dass regulatorische Rahmenbedingungen „flexibel genug sein müssen, um Experimente zuzulassen, aber klar genug, um Orientierung zu geben“, wodurch Raum für technologische Weiterentwicklung bleibt.
Was den Zeitrahmen betrifft, bleiben die Erwartungen der EU pragmatisch: Eine großflächige Einführung ist kurzfristig unwahrscheinlich, wobei die ersten Demonstrationsstrecken möglicherweise zwischen 2035 und 2040 in Betrieb gehen könnten. Ein wirklich transnationales Hyperloop-Netzwerk könnte nach optimistischen Schätzungen erst zwischen 2060 und 2090 Gestalt annehmen. Bis dahin könnten hybride Lösungen wie die von Polens Nevomo entwickelte „MagRail“-Technologie als Übergangsansätze dienen – indem sie Elemente der Hyperloop-Innovation in bestehende Eisenbahnnetze integrieren und schrittweise eine ultraschnelle Beförderung ermöglichen.
Für Europa stellt Hyperloop nicht nur eine Verkehrsvision dar, sondern auch eine strategische Initiative zur Erreichung einer „kohlenstofffreien Mobilität“ und zur Stärkung des regionalen Zusammenhalts. Auch wenn der Weg noch lang ist, so verschiebt sich dieser „Wettlauf um Geschwindigkeit in Vakuumröhren“ mit fortschreitenden Demonstrationsversuchen und einem sich weiterentwickelnden politischen Rahmen schrittweise von einer fernen Vision hin zur Realität.