
Am 26. Januar 2026 unterzeichneten Siemens Mobility aus Deutschland und der polnische Hersteller Newag eine Absichtserklärung, um ihre Zusammenarbeit auf dem polnischen Schienenmarkt zu vertiefen, wobei der Fokus auf der technologischen Entwicklung und Bewertung von Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen mit einer Geschwindigkeit von 320 km/h liegt. Die beiden Unternehmen werden gemeinsam ein bedeutendes Ausschreibungsverfahren des polnischen nationalen Eisenbahnunternehmens PKP Intercity bewerben, das die Beschaffung von bis zu 55 Hochgeschwindigkeitszügen mit einer Betriebsgeschwindigkeit von 320 km/h vorsieht.
Diese Zusammenarbeit baut auf einer 15-jährigen strategischen Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen auf. Zuvor haben sie bereits bei Projekten zur Lieferung von U-Bahn-Fahrzeugen in Städten wie Warschau und Sofia zusammengearbeitet, wobei Newag stets Antriebssysteme, Getriebe und ETCS-Bordgeräte von Siemens bezog und damit eine solide Grundlage für die technische Zusammenarbeit schuf. Der CEO von Newag, Zbigniew Konieczek, erklärte, dass Siemens im Hochgeschwindigkeitszugsektor ein „natürlicher strategischer Partner“ sei. Da Newag derzeit nicht über die Fähigkeit verfügt, Hochgeschwindigkeitszüge eigenständig herzustellen, zielt diese Partnerschaft darauf ab, Siemenses fortschrittliche Technologie zu nutzen, um den polnischen Hochgeschwindigkeitszugmarkt zu erschließen.
Gemäß der Vereinbarung werden die beiden Unternehmen einen umfassenden technischen Austausch sowie eine gemeinsame ingenieurtechnische Entwicklung durchführen, wobei der Fokus auf Konstruktion, Produktion und Wartung von Hochgeschwindigkeitszügen liegt, um die Effizienz der Projektabwicklung zu steigern. Das zentrale Ziel dieser Zusammenarbeit ist die Teilnahme an der Ausschreibung für Hochgeschwindigkeitszüge der PKP Intercity, die am 30. Dezember 2025 veröffentlicht wurde. Die Angebote müssen bis zum 29. April 2026 eingereicht werden; die Ausschreibung umfasst die Beschaffung von 20 elektrischen Mehrfachtriebwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h sowie eine Option auf weitere 35 Einheiten. Die bieterischen Unternehmen müssen nachweisen, dass sie in den letzten sieben Jahren mindestens fünf Hochgeschwindigkeitszüge mit einer Betriebsgeschwindigkeit von über 250 km/h innerhalb der EU, der Schweiz oder des Vereinigten Königreichs ausgeliefert haben.

Polen treibt den Bau seines „Y-förmigen“ Hochgeschwindigkeitsschienennetzes voran, das sich über etwa 480 Kilometer erstreckt und eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 350 km/h ermöglicht. Dieses Netz wird wichtige Städte wie Warschau, den CPK-Hub-Flughafen, Łódź und Poznań miteinander verbinden. Der Abschnitt Warschau–Łódź soll im Jahr 2032 fertiggestellt werden, zeitgleich mit der Eröffnung des Flughafens CPK. Bis dahin werden die Fahrzeiten von Warschau zu den wichtigsten Städten auf unter 100 Minuten verkürzt sein; zudem wird das Netz in den europäischen TEN-T-Verkehrskorridor integriert, wodurch direkte Verbindungen zu Städten wie Berlin und Prag möglich werden – Polen positioniert sich damit als zentraleuropäischer Eisenbahnknotenpunkt.
Die Partnerschaft zwischen Siemens und Newag vereint komplementäre Stärken: Siemens bietet seine bewährte Velaro-Hochgeschwindigkeitszugplattform sowie umfassende globale Betriebserfahrung, während Newag lokale Fertigungskapazitäten in Polen bereitstellt, wodurch die Lokalisierungsquote des Projekts erhöht und die Einhaltung der EU-Politik zur Förderung der heimischen Industrie sichergestellt wird. Ihr gemeinsames Angebot soll sowohl technologische Kompetenz als auch lokale Vorteile nutzen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.

In den letzten Jahren verzeichnete Polens Schienenverkehrssektor ein kräftiges Wachstum. Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete PKP Intercity 40,4 Millionen Fahrgastfahrten – ein Anstieg um 31 % gegenüber dem Wert vor zwei Jahren. Zuvor hatte Polen mit Alstom einen Vertrag über 1,6 Milliarden Euro für 42 Doppelstockzüge des Typs Coradia Max abgeschlossen; damit beläuft sich die Gesamtinvestition in die Erneuerung der polnischen Schienenfahrzeugflotte auf 4 Milliarden Euro. Diese Ausschreibung für Hochgeschwindigkeitszüge sowie die deutsch-polnische Unternehmenskooperation werden nicht nur die Realisierung des polnischen Hochgeschwindigkeitsnetzes vorantreiben, sondern auch Polens Position in der zentraleuropäischen Lieferkette für Schienenfahrzeuge stärken.
Die exklusiven Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen werden voraussichtlich bis Ende 2026 fortgesetzt. Bei Erfolg soll der Vertrag bis Ende 2027 unterzeichnet werden, wobei die Auslieferung des ersten Zuges für 2032 geplant ist – in Einklang mit dem Fortschritt beim Bau des polnischen Hochgeschwindigkeitsschienennetzes. Diese Zusammenarbeit stellt einen bedeutenden Meilenstein bei der deutsch-polnischen Synergie in der Schienenindustrie dar, verschärft den Wettbewerb auf dem europäischen Hochgeschwindigkeitsschienenmarkt und verleiht der Transformation des Schienenverkehrs in Polen sowie der gesamten Region Mitteleuropas neuen Schwung.